Die Wortwahl

In der journalistischen Ausdrucksweise gibt einige Richtlinien, die dazu dienen, grobe sprachliche Fehler zu vermeiden. Eine Auswahl davon finden Sie hier – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

ab- 
ist eine zumeist überflüssige Silbe, sofern das Wort durch sie keine neue Bedeutung erhält (wie bei abnehmen). Besser ohne ab- ist z. B. abändern, abmildern, absichern,…

Abkürzungen
müssen zunächst geklärt werden, z. B. „Der Christiliche Verein Junger Menschen (CVJM)…“. Abkürzungen wie usw., ca., etc., DM, cm, km/h, … sind nicht erlaubt, Kürzel wie ADAC oder CDU können hingegen benutzt werden, da sie allgemein bekannt sind. Üblich ist es, nur den ersten Buchstaben einer Abkürzung groß zu schreiben, wenn der Name nicht durchbuchstabiert wird – wie bei Unicef oder Obi. Im Gegensatz dazu: ADAC, SPD und andere.

Anglizismen
sind durch deutsche Wörter zu ersetzen: Höhepunkt statt Highlight, Ereignis statt Event,…

Anwesende
sollten durch Zuhörer, Mitglieder, Fansersetzt werden.

Behördendeutsch
sollte vermieden werden: Ampel statt Lichtzeichenanlage, Schwarzfahren statt Beförderungserschleichung,…

Blähwörter
wie jedenfalls, eben, nun denn, nämlich, natürlich verlängern Sätze unnötig. Ebenso: Problemfelder = Probleme, Aufgabengebiet = Aufgaben, Witterungsverhältnisse = Wetter, Unkosten = Kosten…

Damen und Herren
heißen Frauen und Männer. Ausnahmen: Damenwahl, Herrenschuhe,…

Glücklicherweise sowie leider oder natürlich
sind subjektive Äußerungen, die nur in einen Kommentar oder ein Zitat gehören.

Kameraden
gibt es nur bei der Bundeswehr, notfalls noch bei der Feuerwehr oder in Zitaten. Manche Medien verzichten ganz darauf.

können
„… konnte einen Sieg erzielen.“ Besser: „… erzielte einen Sieg.“

Kurs
Den Kurs kann man am Kompass ablesen – geht es aber um einen Lehrgang, so spricht man von Kursus.

letzte
„Im letzten Jahr…“ hieße es nur, wenn der Weltuntergang bevorstünde. Besser: vergangenen, zurückliegenden, vorigen, …

man
kann meist präzisiert werden und unterschlägt die handelnden Personen.

Markennamen
gehören nur in die Werbung. Deshalb: Klebeband statt Tesa, Taschentuch statt Tempo, Möbelpolitur statt Pronto.

Namen
Personen in Artikeln werden mit Vor- und Zunamen benannt. Titel wie Prof oder Dr. gehören dazu, wenn sie in dieser Funktion handeln. Also: Ein Professor an der Universität behält seinen Titel, wenn er ein Tennis-Turnier gewinnt, verliert er ihn.

Niederschläge
bitte präzisieren: Schnee? Hagel? Regen? Graupel?

Jahreshauptversammlung
ist ein Blähwort. Entweder Jahresversammlung oder Hauptversammlung.

Passivkonstruktionen
wie werden … gemacht, sollen… stattfinden vermeiden!

Preise
für Eintrittskarten oder Konsumartikel gehören nur in die Werbung.

sagen
Statt dem neutralen Verb sagen verwenden wir je nach Situation lieber die „sprechaktbezeichnenden Verben“: erklären, erläutern, betonen, hervorheben, mitteilen, ankündigen, finden, meinen, fragen, hinzufügen, nennen, fordern, loben, kritisieren, zugeben, deutlich machen,… Sofern „sagen“ nicht überhand nimmt, ist es immer noch die beste Wahl.

Substantivierte Verben
hemmen den Lesefluss und erwecken einen bürokratischen Eindruck: „Die Verfügung zur Durchführung einer Renovierung gelangte zur Abstimmung.“

Tanzbein
Vorsicht bei abgegriffenen Formulierungen und schrägen Sprachbildern! Gartenlaubenlyrik wie „Bis zum Umfallen wurde das Tanzbein geschwungen“ oder „Als Preis winkte ein halbes Schwein“ kann ein falsches Bild erzeugen. Gern weggelassen werden kann auch die Formulierung „Bis auf den letzten Platz gefüllt“ – es sei denn, es ist tatsächlich nur noch einer frei…

stattfinden, durchführen, veranstalten
sind meist durch treffendere Worte zu ersetzen. Wenn eine Beerdigung stattfindet, wird jemand beerdigt. Wenn eine Hochzeit durchgeführt wird, wird geheiratet. Wenn eine Feier veranstaltet wird, wird gefeiert.

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