Über Journalisten

Ein Referat von Frank Karmeyer
(gehalten bei der Agentur für Arbeit anlässlich eines Berufsfindungsforums. Der Beitrag ist schon einige Jahre alt – und wird demnächst aktualisiert…)

Es gibt vermutlich so viele verschiedene Wege Journalist zu werden, wie es Journalisten gibt. Alle hier aufzuzeigen, ist unmöglich. Daher kann jetzt nur die Frage sein: Was können Sie tun, um ihrem Berufswunsch ein Stück näher zu kommen?Was fällt Ihnen nun ein, wenn Sie an Journalisten denken? Oft sind es aufdringliche Menschen in schlechten Krimis, hinterlistige Gestalten in üblen Filmen. Aber warum sind Sie dann hier? Es gibt noch andere Bilder von Journalisten: Sie haben freien Eintritt zu Konzerten, sind den Stars ganz nahe, gucken aus dem Fernseher wie Ulrich Wickert oder sind in – einigen wenigen Filmen – auch die Helden.Journalist: ein Traumberuf für viele. Man kann auch Modeberuf sagen.
Denn die Zahl der Bewerber auf freie Stellen bei Tageszeitungen, in Funkhäusern, bei Fernsehsendern ist astronomisch. Was ist also dran am Journalisten?

Sie können gleich morgen anfangen: Auf Ihre Visitenkarte Journalist schreiben, oder wenn Sie nach ihrem Beruf gefragt werden, antworten, Sie seien Journalist. Anders als beim Bäcker oder Lehrer – der Beruf Journalist ist nicht geschützt. Ob Sie die Bezeichnung allerdings weiterbringt, wage ich zu bezweifeln. So einfach ist es dann doch nicht.

Dabei gibt nicht einmal eine spezielle Ausbildung, die für diesen Beruf notwendig ist. In der TLZ-Lokalredaktion arbeitet ein gelernter Elektriker, eine Lehrerin für Deutsch und Kunst, ein gelernter Schriftsetzer, eine Germanistin – ich selbst habe eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen – und abgebrochen.

Allen gemein sind ein bis zwei Voraussetzungen: Neugier, Kontaktfreudigkeit, ein gutes Stück Sprachgewandheit, das Bestreben und Können, schwierige Sachverhalte einfach zu erklären, die aktuellen Geschehnisse kennen zu wollen, ständig dazu lernen zu wollen und zu wissen, wo man findet, was man nicht weiß und und und…

Fangen wir mit der Neugier an. Es gibt eine Reihe von Journalistenschulen, die als Aufnahmeprüfung kniffelige Fragen stellen. Würden Sie im Flugzeug plötzlich neben Kanzler Schröder sitzen: Welche Frage würden Sie ihm stellen? Und?

Man muß sich erst einmal trauen, den Herrn Schröder anzusprechen. Da hilft es, wenn dazu ein gesundes Vorwissen vorhanden ist. Damit die Frage nicht als dumm aufgefaßt wird, damit man auch eine handfeste Antwort bekommt und nicht an der Nase herumgeführt wird. Das kann leichter passieren, als man denkt. Und hat dann die vielleicht einmalige Chance nicht genutzt.

Helfen kann da eine gute Ausbildung. Die wird in der Mehrzahl der Fälle bei Tageszeitungen erfolgen – sie ist für die meisten Journalisten in Fernsehen und Radio die Grundlage ihrer Arbeit.

Zwei Jahre dauert die Ausbildung, sprich das Volontariat. Meist verbirgt sich dahinter das, was heute neudeutsch „Learning by doing“ genannt wird. Zwei Jahre wird in einer Redaktion mit anderen Redakteuren gearbeitet, wird in der Praxis geprobt, geübt und einstudiert.

1400 Volontariatsplätze gibt es wohl in Deutschland. Die Voraussetzungen sind nicht einheitlich festgezurrt: Es gibt Journalisten mit Abitur und ohne, mit begonnenem oder abgeschlossenem Studium, welcher Fachrichtung auch immer, manche gar mit Journalistikstudium, manche mit Dr. oder Professoren-Titel… Wie gesagt: Es gibt nichts Einheitliches, es gibt nur Personalchefs oder Chefredakteure mit unterschiedlichen Ansichten.

Abitur mit Studium oder eine abgeschlossene Berufsausbildung gelten
jedoch weitläufig als Minimalvoraussetzung.
Dabei ist nicht nicht einmal entscheidend, ob es sich um ein Studium Journalistik, Kommunikationswissenschaften, Medienwissenschaften handelt. Gern gesehen – von einigen Chefredakteuren wohl lieber gesehen – wird ein gesellschaftswissenschaftliches Studium: Geschichte, Politik, Politikwissenschaften, BWL etc.

Extrem wichtig ist, schon früh Kontakt zur Praxis zu bekommen: Durch Mitwirken bei einer Schülerzeitung, besser jedoch: als freier Mitarbeiter bei einer Tageszeitung. Und die werden eigentlich immer gesucht – wenn sie gut sind. Großes Geld läßt sich damit nicht verdienen – aber warum nicht zu einer Veranstaltung gehen, zu der man ohnehin will, und nachher seine Eindrücke zusammenfassen und ein Foto abliefern. Sollte hier jemand Interesse daran haben: Terminvereinbarungen können wir im Anschluß treffen.

Ich selbst habe den Einstieg über die freie Mitarbeit gefunden: als Schlagzeuger in einer Band hat mich immer geärgert, was die Zeitung über unsere Konzerte geschrieben hat. Fotografiert habe ich schon immer gern – so habe ich mich in der Lokalredaktion angeboten, künftig über Veranstaltungen im Begegnungszentrum zu berichten – es sollten zahllose Wochenenden bei Modenschauen, Fußballspielen, Rassekaninchenzüchtern, Partei-Ortsverbänden etc werden…

Wer also nicht selbst Riesenrammler züchtet, wer nicht Briefmarken sammelt, wer nicht selbst Musik macht – und sich dennoch für all diese Dinge interessiert – der kann in diesem Beruf glücklich werden. Schließlich sitzt Schröder nicht in jedem Flieger auf dem Nachbarsitz.

Neben dem Volontariat gibt es die Journalistenschulen: In München, in Dortmund, in Hamburg. Hier gelten die genannten Aufnahmeprüfungen.
Außerdem die Hochschulausbildung zum Journalisten – die Diplomträger von den Universitäten werden jedoch mit gewissen Vorbehalten in der Praxis beäugt. Zwar haben auch Hochschulstudien einen Praxisteil, doch wer weiß, wie eine Meldung wirkt, muß noch nicht wissen, wie sie geschrieben wird. Doch das mag ein Vorurteil sein.

Ist die eigentliche Ausbildung abgeschlossen, hat das Dazulernen noch kein Ende: Tagtäglich – und das macht für mich den Beruf so interessant, wie keinen anderen – hat man mit neuen Dingen, mit anderen Menschen, mit aktuellen Ereignissen zu tun.

Es ist definitiv kein Beruf, der früh um 6 beginnt und um 15.30 Uhr endet: Ein Journalist ist man den ganzen Tag und sein ganzes Leben. Wenn es in der Stadt brennt, gibt es wohl keinen Journalisten, der sagen würde: Ich habe jetzt Feierabend. Wenn im Fernsehen ein interessanter Bericht läuft, dann denkt sich wohl ein jeder: Da könnte auch eine Geschichte in meiner Stadt daraus werden.

Vielleicht ist dies ein Grund, warum Journalisten recht gut bezahlt werden. Im ersten Volontariatsjahr liegt der Sold bei etwa 2400 Mark, im zeiten bei knapp 3000. Verlockend? Wie gesagt: Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten: Wenn die anderen nach dem Konzert nach Hause gehen, fängt die Arbeit erst an.

Auch der Beruf selbst unterliegt einem stetigen Wandel: Gab es früher noch streng getrennte Berufsbilder – Fotografen, Layouter, Redakteure – so sind Journalisten heute für alles da. Wir gestalten die Zeitung selbst, wir fotografieren und nebenbei schreiben wir auch noch. Künftig wird Multimedia einen größeren Einfluß haben, das Internet vielleicht.

Eines jedoch wird wohl auch künftig Bestand haben: Dass die Menschen das am meisten interessiert, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert – und was im Lokalteil Ihrer Zeitung steht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.